Historische Fotos nachfotografieren

Vor einiger Zeit wurde ich vom BDB (Bund Deutscher Baumeister, Architekten & Ingenieure e.V.) für einen Fachvortrag über Architekturfotografie engagiert. In einigen Telefonaten einigten wir uns auf ein besonderes Thema: Städte im Wandel der Zeit.

Städte im Wandel der Zeit? Was genau kann man sich darunter vorstellen? Die Fotografie ist kein neues Medium, über 100 Jahre lichten Fotografen die Welt ab. Doch wie verändert sich die Welt im laufe der Zeit? Genau diese Frage sollte der Vortrag den Anwesenden beantworten.

Historische Fotos nachzustellen ist nicht so schwer wie man es sich vielleicht vorstellt. In meiner Ausbildung am Bildarchiv Foto Marburg habe ich häufig genau dies getan. Alte Fotografien in der heutigen Zeit nachfotografiert. Es wird hier immer versucht die Brennweite und den Standpunkt von damals genau zu finden. Bei der Suche nach dem Standpunkt helfen heutzutage Satelliten Aufnahmen.

Zunächst ordne ich alle Gebäude auf dem alten Bild der Luftaufnahme zu. In diesem Beispiel den Torturm, die Burg und die ehemalige Schule. Aus den Winkel der Gebäude kann man dann einen ungefähren Standpunkt markieren (roter Kreis). Je nach Foto ist die Standort Bestimmung aber deutlich einfacher.

wieseck-tortum-1918

Die „Port“ in Wieseck (einem Stadtteil von Gießen) ist auch heute leicht nachzufotografieren. Hauptsächlich, weil die Fachwerkgebäude auf der rechten Bildseite auch heute noch unverändert stehen.

wieseck-tortum-2018

Hier musste ich somit nur vor Ort schauen, welche Gebäude auf dem alten Foto wo stehen und meinen Standpunkt entsprechend anpassen. Wie fast überall sieht man auch in Wieseck, dass die Städte in Deutschland mit der Zeit dem Autoverkehr angepasst wurden und für Straßen Gebäude weichen mussten.

Ich finde es nach wie vor faszinierend, alte Fotos in der heutigen Zeit nachzustellen und zu sehen wie sich ein Ort im laufe der Zeit verändert hat.